Die Kunst der ausgleichenden Berührung

   Artikel von   Winnie Abraham &  Margarete Eller

 

Der in New York lebende Meister OHASHI sieht seine Aufgabe in der Verbreitung überlieferter Heilmethoden. An mehr als 30 Schulen weltweit wird die Ohashi-Method ® eine Kunst der Berührungskommunikation, unterrichtet –  auch in Österreich.

 

Ohashi bedeutet im Japanischen "große Brücke". Seit mehr als fünfundvierzig Jahren besteht das Zentrum in New York, in dem sich östliche und westliche Heilkunst und die entsprechenden Philosophien begegnen, verbinden, voneinander lernen und weiterentwickeln. Pro Jahr überqueren rund 2000 Männer und Frauen aller Altersgruppen, aus verschiedenen Kulturen, mit ganz unterschiedlichem Bildungs- und Berufshintergrund diese Brücke, um die Ohashi Method ® zu erlernen und zu praktizieren.

Margarete Eller war eine von ihnen, als sie 1999 den Weg ans Ohashi Institute in New York fand. Die Faszination des Einfachen, der natürlichen Begegnung mit dem eigenen Körper und mit anderen, hat sie seither nicht mehr losgelassen. Für sie ist Ohashiatsu heute ein Lebensprinzip und Teil ihrer selbst geworden. Zurückgekehrt in ihre Wahlheimat Wien will sie das, was sie in Ohashi´s Kursen und in enger Zusammenarbeit mit ihm persönlich gelernt hat, an andere Menschen weitergeben. 

 

"Touch for Peace" heißt das Motto des Instituts. 

"Ich möchte, dass sich alle Menschen friedvoll, glücklich und gesund fühlen und der Anfang dazu wird immer eine Berührung sein," erklärt Ohashi, der sein Tun bewusst als "einen Bildungsprozess in Gang setzen" beschreibt. 

Er ist inzwischen ein international beachteter und bekannter Botschafter der östlichen Heilkunst, ein humorvoller Lehrer, der mit seiner Energie, seinem großen Wissen, seinen Visionen in der ganzen Welt Menschen für seine positive Lebensphilosophie begeistert. 

 

"Die meisten Menschen denken heutzutage, dass etwas mit ihnen nicht stimmt, dass etwas falsch ist, und diese Haltung ermutigt sie, sich minderwertig und schuldig zu fühlen. Mein Weg ist anders. Ich denke, wir müssen uns nicht verändern, jeder Mensch ist einzigartig und besitzt schon alles was er braucht um glücklich zu sein." 

 

Für Ohashi besteht der Schlüssel zum Glück darin, die eigenen Schwächen und Stärken zu kennen, sich um die Schwächen liebevoll zu kümmern und die Stärken zu nutzen. Unermüdlich ermuntert er Menschen, sich auf das Abenteuer seiner Methode und damit auf den Weg zur Selbsterkenntnis und Selbstwahrnehmung einzulassen. Für ihn bedeutet die Integration von jahrhundertealtem Wissen in unser modernes Alltagsleben, dass mehr und mehr Menschen befähigt werden, einen Beitrag zu einem friedvollen Miteinander auf der Erde zu leisten. 

 

Handauflegen – ein natürlicher Instinkt

Heilen mit den Händen, das Handauflegen ist ein universelles Konzept, ein natürlicher menschlicher Instinkt, aus dem sich unter anderem in den östlichen Kulturen Shiatsu und Akupunktur entwickelt haben. In der Akupunktur werden Nadeln gesetzt, beim Shiatsu kommen Daumen, Ellbogen, Knie und Handballen zum Einsatz. Aber die allgemeine Vorstellung, dass es nichts weiter ist als die Anwendung eines starken Drucks auf einzelne Punkte auf dem Körper, verdreht die Wahrheit. Diese Methode basiert auf einem umfassenden östlichen Medizinsystem, in dem jeder Mensch als Mikrokosmos der Natur gesehen wird, durchaus vergleichbar mit einem Garten, also einem dynamischen, sich selbst regulierenden System, das Sonnenlicht und Wasser in lebende Materie verwandelt, die im Zyklus der Jahreszeiten wächst, reift, Früchte hervorbringt und kompostiert wird. Durch diesen Prozess der Transformation erhält und erneuert sich der Garten kontinuierlich selbst. Dieses naturgegebene Zusammenspiel beobachten und beschreiben Menschen seit Jahrhunderten auch für das menschliche Leben. Eine aufregende Sichtweise, den Menschen als einen Garten zu sehen, in dem die Ärzte als Gärtner agieren, die Einzigartigkeit eines jeden Gartens respektieren, die Schattenzonen und Sonnenseiten berücksichtigen, die individuelle Harmonie erkennen und nur soviel düngen, wässern und Platz schaffen, um aus dem Gleichgewicht geratene Pflanzen beim Wiederherstellen ihrer eigenen Ordnung zu unterstützen. Und exakt diese Herangehensweise ist das grundlegende Prinzip beim der Ohashi Methode. Es wird keine medizinische oder therapeutische Hilfe angeboten. Nicht die körperlichen oder seelischen Symptome werden behandelt, sie geben lediglich Anhaltspunkte über Störungen im Energiefluss des Körpers. Durch Sessions, bei denen der Energiefluss mobilisiert, stimuliert und harmonisiert wird, können die Selbstheilungskräfte aktiviert werden. 

 

Energie ist ein zentraler Begriff in der östlichen Medizin. Der Mensch, als Verbindung zwischen Himmel und Erde, als nicht zu trennende Einheit von Körper, Geist und Seele, besitzt wie alles Lebendige Ki, so der japanische Begriff für die Lebensenergie, die unseren Körper in Meridianen durchläuft. Die Meridiane bilden an der Oberfläche und in der Tiefe des Körpers ein vernetztes System von Energiekanälen.

Ein ungehindertes Fliessen bedeutet körperliches, geistiges und seelisches Wohlergehen, Beweglichkeit und Weiterentwicklung.

Wenn wir uns dem natürlichen Fluss des Lebens verschließen, die Beweglichkeit in Teilen unserer Seele oder unseres Körpers stagniert, das Ki als Folge zu träge oder zu schnell fließt, können Probleme auftreten, wir werden krank.

Jeder Mensch hat, ohne sich krank zu fühlen, sein individuelles Stagnationsmuster, in dem sich seine Art zu denken und zu fühlen manifestiert. Der körperliche Schmerz, der immer auch einen seelischen Schmerz beinhaltet, zeigt eine schon lang andauernde oder starke Behinderung im Fluss der Lebensenergie an. Mit dieser Methode wird der Energiefluss an der Oberfläche des Körpers berührt, der körperliche Schmerz, der während der Behandlung auftreten kann, lässt uns Staus wahrnehmen. Das ist der Anfang zu manchmal schmerzhaften Entwicklungsschritten, durch die größere Beweglichkeit und Selbstbewusstheit gewonnen werden können. 

 

Berührungskommunikation statt Körperarbeit

Ohashi hat sich vom traditionellen Shiatsu gelöst, statt Körperarbeit Berührungskommunikation. Vertraut mit den Konzepten der beiden japanischen Shiatsu Lehrer Tokujiro Namikoshi und Shizuto Masunaga entwickelte er aufgrund seiner jahrelangen Erfahrungen mit dieser den eigenen Körper stark belastenden Massagetechnik eine neue Methode. "Die Ohashi Methode bedeutet keinen Druck, nur ein gegenseitiges Unterstützen, ein Aneinanderlehnen. Wir nennen uns nicht Therapeuten, und wir behandeln keine Patienten. Bei uns steht die Person im Mittelpunkt, welche die Session gibt." 

Ein Konzept, dass sich leicht anhört und doch für alle, die eine Ausbildung beginnen, eine der schwersten Übungen ist. Wir alle wollen helfen, Kraft geben, behandeln, etwas bewirken. Genau diese karitative und möglicherweise überhebliche Haltung verhindert den gleichberechtigten Austausch zwischen Gebenden und Nehmenden und macht es unmöglich, dass wir erkennen, wie viel wir von dem Nehmenden erhalten und lernen. Also lernt man, nichts bewirken zu wollen, offen zu sein, nicht zu drücken, sondern sich vom Körper des Nehmenden tragen zu lassen. 

 

Wie ein kraftvoller Tanz

"Der Gebende schwitzt niemals, er hüpft nicht auf dem Rücken des zu Behandelnden herum, schreit nicht und ist nie erschöpft. Es ist eine Meditation, eine Übung, wie auch beim Tai Chi oder der Kunst des Bogenschiessens. Als Resultat fühlt sich der Klient meist großartig, aber unser vorrangiges Ziel ist es, dass der Gebende sich wohl fühlt." 

Und dieser Eindruck vermittelt sich dem Betrachter, wenn Ohashi seine Methode mit eleganten, fließenden Bewegungen als einen kraftvollen Tanz gestaltet, der sich aus der Begegnung zweier Lebensenergien entwickelt.

Es ist das Wichtigste, dass der Gebende gut vorbereitet ist, das heißt, in guter körperlicher, seelischer und geistiger Verfassung. Unabdingbar ist die Fähigkeit, aus dem Zentrum des Körpers, dem Bauchraum, dem Hara zu agieren. Über das Hara, die Hände als Fühler, wird das Echo der Lebensenergie empfangen und erkannt, in welchen Meridianen die Balance des Ki wieder hergestellt werden muss, damit der Körper, seinen eigenen, natürlichen Impulsen folgend, sich selbst heilen kann. Die Qualität einer Sitzung hängt eben nicht  von den technischen Fähigkeiten des Gebenden ab, sondern von der Beziehung, die sich zwischen Gebendem und Nehmenden herstellt, dem Mitgefühl und Respekt füreinander und der Einstellung, dass jeder Mensch — einzigartig in seinen Stärken und Schwächen — für sich selbst Verantwortung trägt.

 

"Massage und Körperarbeit wird in der Zukunft immens an Bedeutung gewinnen. In der westlichen Medizin wird der menschliche Körper nur zu Diagnosezwecken berührt. Aber das Anfassen und Berühren bringt die Quellen des Lebens zum Fließen, damit könnten wir sicherlich die Arztrechnungen um die Hälfte verringern. Der menschliche Körper ist ein Spiegel unseres Planeten. Wenn man also lernt, die eigene Gesundheit zu respektieren und sich darum zu kümmern, entwickelt man die gleiche Haltung gegenüber anderen Menschen und auch gegenüber allem Leben auf unserem Planeten." 

Und deshalb will Ohashi möglichst viele Menschen zusammenbringen, ihnen Wege aufzeigen, durch die sie ein gesünderes und dadurch glücklicheres Dasein haben, was letztendlich zu einem friedvollen Leben auf der Erde führt.